| Offiziell kam das Christentum nach Kiewer Rus
auf Initiative des Großfürsten Volodymyr Sviatoslavovitsch Ende
des 10. Jh., doch bekannt ist, daß die Kiewer Oberschicht, so z.
B. der Fürst Askold und die Fürstin Olga, schon früher hatten sich
taufen lassen. Die Chronik bestätigte, daß bereits Mitte des 10.
Jh. eine Ilja-Holzkirche am Podil funktionierte und Ende des 10.
Jh. hat Volodymyr die erste Steinkirche - Dessjatynna – gebaut.
Die Kirche wurde 1240 von Mongolen vernichtet.
Bis heute erhebt sich aber das altrussische Hauptheiligtum
Hagia
Sophia von Kiew oder noch Sophienkathedrale, am Sophienplatz.
Bis zum 11. Jh. war an Stelle des Sophienplatzes (Sofiyska Plostscha)
ein Feld außerhalb der Stadt. Wie die Chronik berichtet, legte der
Großfürst Jaroslav der Weise im Jahre 1037 (oder bereits 1017) anläßlich
eines Sieges über Petschenegen, so hießen die Nomaden, die damals
Kiew erobern wollten, den Grundstein für die Sophienkathedrale.
Die Benennung der Kathedrale geht auf das griechische Wort Hagia
Sophia, Heilige Weisheit, zurück.
Die Sophienkathedrale (Soflyskyi Sobor) war die
Hauptkirche Kiewer Rus und bildete in jener Zeit den gesellschaftlichen
und kulturellen Schwerpunkt des Staates. Hier wurden die Großfürsten
gekrönt, hier wurden die ausländischen Botschafter empfangen. Bei
der Kathedrale entstand eine engagierte Gruppe, die damals die Rolle
der Akademie übernahm, hier hat man Übersetzungen, Abschreibungen
und Erweiterungen von ausländischen Büchern durchgeführt, hier arbeiteten
die Chronisten, hier schrieb man die ersten altrussischen Literaturwerke
und funktionierte eine Schule. Bis heute suchen die Forscher die
berühmte Bibliothek, die Jaroslav gehörte und schon im Mittelalter
spurlos verschwand.
In ihrer neunhundert Jahre langen Geschichte erlebte
die Kathedrale feindliche Überfälle, Plünderungen, teilweise Zerstörungen,
Renovierungen und Umbauten. Im 17. und 18. Jh. so auch im 19. Jh.
entstand um die Kathedrale der gesamte Klosterkomplex, ein Meisterwerk
des ukrainischen Barocks. Es wurden der Glockenturm, das Metropolitenhaus,
das Priesterseminar, das Refektorium, das Wohngebäude für Klosterbrüder,
das Westtor (Brama Saborovskogo), die Bäckerei und das Südtor
sowie die Steinmauer errichtet. In der äußeren Gestaltung erhielt
die Kathedrale wesentliche Züge des ukrainischen Barocks. An der
Kathedrale wurde auch später gearbeitet: das Gebäude wurde von außen
durch mächtige Strebepfeiler befestigt, die Fassaden wurden mit
Aufsatzgiebeln und Stuckornamenten verziert.
Die seit 1934 unter Denkmalschutz stehende Sophia
von Kiew wurde 1994 zum Nationaldenkmal erklärt. Im Jahre 1987 wurde
Kathedrale als unikaie architektonische und monumentale Kunstschöpfung
aus dem 11. Jh von Weltbedeutung, die Restaurierungsarbeiten und
das ganze Schöngebiet mit Europas Goldmedaille für die Erhaltung
historischer Denkmäler ausgezeichnet. Seit 1990 steht sie auf der
UNESCO-Liste des «Weltkulturerbes der Menschheit».
Zu dieser Liste gehört auch eines der ältesten
orthodoxen Kloster der Kiewer Rus - Sviato-Uspenska
Kiewo-Petscherska Lawra, das Mitte des 11 Jh. vom Mönch
Antonius in den Höhlen (auf altrussisch Pestschery) am hügeligen
rechten Ufer des Dnipro nicht weit von der Fürstenresidenz im Dorf
Berestowe, gegründet wurde. Als größtes und einflußreichstes Männerkloster
erhielte es den Lawra Titel, der aber nur 1688 offiziell bestätigt
wurde.

Die Hauptkirche des Klosters war die
Großkirche - Mariä-Himmelfahrtskathedrale (Sobor Uspinnia Boshoji
Materi), der erste Steinbau der Lawra, die 1073/78 auf Initiative
vom Antonius und Theodosius und dem Fürst Sviatoslav Isiaslavovitsch
errichtete (1089 eingeweihte) und im 18 jh im ukrainischen Barockstil
von neuem ausgestaltete Mariä-Himmelfahrtskathedrale (Uspenskyi
Sobor). Hier befand sich die bekannteste Fürsten- und Magnatenfamilien-
und Oberklerusgruft, hier wurden die Sakristei, Bibliothek und Sammlungen
von Schätzen und Kulturkostbarkelten aufbewahrt. Am 3. November
1941 während der Naziokkupation wurde die Kathedrale in die Luft
gesprengt. 1999 bis 2000 ist Mariä-Himmelfahrtskathedrale wiederaufgebaut.
Auf dem Gelände der Oberen Lawra befinden sich
noch wunderschöne Baukunstwerke aus dem 17. und 18. Jh. - die
Zellen der Klosterältesten, das Kovnirgebäude (Kovnirskyi Korpus)
(die ehem. Bäckerei und Hostienbäckerei, Buchladen und Zellen),
benannt nach ihrem Baumeister Kovnir, das Refektorium mit Nikolaikirche
des ehem. Spitalklosters der Lawra (12. Jh. gegründet), Allerheiligen-Torkirche,
die Mariä Himmelfahrt Kathedrale, Großer Glockenturm der Lawra (1731/44), so auch Festungstürme.
Die Baugeschichte der Lawrasdruckerei (1615) die 18. und 19. Jh.
errichtet wurde, widerspiegelt sich an der Außenseite der Baus.
Die majestätischen Refektoriumsgebäude mit
der St. Antonius-und-St. Theodosiuskirche wurden 1895 im russisch-bysantischen
Stil nach Entwurf von V. Nikolaiev errichtet, 1910 bekam die Kirche
ihre Innenausstattung, die Maler l. Jishakevitsch, A. Lakov und
G. Popov unter der Leitung des Architektenakademikers 0. Stschussew
gefertigt haben.
Vom Aussichtsplatz am Gebäude der ehem. Malerschule
(19. Jh.) erschließt sich dem Besucher ein imposantes Bild der Unteren
Lawra. Bei den Nahen Höhlen steht die dreikuppelige Kreuzer-höhungs-Kirche
b(Chrestovosdwyshenska Tzerkwa) (1700/04 errichtet) in der für jene
Zeit typischen Barockform. In ihrer Innenausstattung blieb die holzgeschnitzte
vergoldete Ikonostase (1769) und die Malerei aus dem 18. und 19.
Jh. erhalten. Im Bauensemble der Unteren Lawra zeichneten sich zwei
imposante Glockentürme aus: der Glockenturm auf den Nahen
Höhlen, errichtet 1759/86 von S. Kovnir und der elegante Glockenturm
auf den Fernen Höhlen (1761 von l. Grygorovitsch-Barskyi, Baumeister
S. Kovnir). Bemerkenswert ist auch die siebenkuppelige Mariä-Geburts-Kirche
(Tzerkwa Risdwa Bogorodytzy) aus dem 17 Jh., z.Z. die Akademie-Kirche.
Links am Galerieausgang steht die einkupplige Kirche zu Annas
Empfängnis (Tzerkwa Satschattyia Sviatoyi Anny), die 1679 errichtet
und 1811 mit Innendekor von Maler l. Kwiatkovskyi rekonstruiert
wurde.
Hauptheiligtum der Lawra sind die unterirdischen
Labyrinthe von den Nahen
und Fernen Höhlen. Ursprünglich waren sie Orte des Wirkens
und der Gebete der Mönche, später wurden sie zu Begräbnisstätten
verwandelt. Die Labyrinthe stellen ein kompliziertes System unterirdischer
2 bis 2,5 m hoher und 1,5 breiter Gänge dar, die durch trockenen
Lossgrund führen und wo immer stabile Naturlüftung mit Temperatur
um 100-120 G herrscht. Solche Bedingungen sind bei der Mumienbildung
besonders günstig. Etwa 600 m der Höhlengalerien wurden entdeckt
und erforscht. In den Nischen sind Särge mit Reliquien der Klosterältesten
der Lawra aufgestellt, darunter die der bekannten Persönlichkeiten
der Kiewer Rus: Klostergründer Antonius, Nestor, Literat und Chronik,
Symon und Polykarp, die Verfasser der bekannten historisch-biographischen
Sammlung des Heiligenlebens von Mönchen des «Kiewo-Petscherskyi
Patenkon» aus dem 13 Jh, der altrussische Maler Alipn und die Ärzte
Ahapit und Damianus, llja Murometz, Held der Volkssagen, Nikolai
der Frömmler und viele andere. Bekannt ist auch der oberirdische
Klosterfriedhof, wo Staatsfunktionäre, Wissenschaftler, Mönche und
Kulturschaffende bestattet sind.
Auf dem Territorium des Denkmalschutzgebietes
werden die einmaligen Sammlungen ausgestellt. Hier sind auch einige
große Museen beheimatet. Museum für Buch und Buchdruckerkunst, Museum
für historische Kostbarkeiten, Museum für ukrainische dekorative
Volkskunst sowie Museum für Theater, Musik- und Filmkunst der Ukraine.
Eine der weltbekanntesten Heiligen Statten lockt
nach wie vor Tausende von Wallfahrern und Touristen an.
Hinter den Erdwallen der alten Petscherska Festung
aus dem 17. Jh., nahe von Wirtschafstor verbirgt sich eine kleine
altrussische Erlöserkirche
zu Berestowe (Tzerkwa Spasa na Berestowi), deren Name auf
den Großfürstensitz, umgeben von einen Birkenwald zurückzuführen
ist. Die alte Chronik erzählt, daß hier 1015 in seinem Palast der
Kiewer Großfürst Volodymyr Sviatoslavovytsch verschied, der zu Ende
des 10 jh die Rus taufen ließ. Zum erstenmal im Jahre 1072 erschien
die Bezeichnung der Erlöserkirche, 1096 zerstörten sie die Polowetz-Nomaden.
Die auf Geheiß von Volodymyr Monomach zwischen 1113/25 errichtete
Kirche galt als Hauptkultstätte des Erlöser-und-Verklärungs-Klosters
(Spaso-Preobrashenskyi Monastyr) und wurde 1240 von Mongolenhorden
Khans Batu vernichtet. Vom ursprünglichen Bauwerk ist nur die westliche
Vorhalle, sog. Narthex, erhaltengeblieben. Die bei den Ausgrabungen
zum Vorschein gekommenen Fundamente des alten Gebäudes sind auf
der Bodenoberfläche bezeichnet. Ursprünglich stellte die Kirche
einen dreischiffigen Kreuzkuppelbau mit drei Kuppelabschlussen dar,
errichtet in für 12 Jh. typischer Mauertechnik, mit Ziegelornament
und Mäandergesimsstreifen. 1640/43 wurde die Kirche laut Auftrag
des Metropoliten Petro Mogyla wiederaufgebaut und von griechischen
Meistern bemalt, vom Ende 17. Jh bis Mitte 18. Jh erhielt die alte
Vorhalle (Narthex) fünfeckige Form und neue Kuppeln und so fand
sie ihren für die ukrainische Kirchenarchitektur typischen fünfkuppligen
Abschluß. Der 1813/14 nach einem Entwurf von Melenskyi im klassizistischen
Baustil erbaute Glockenturm weist zwei Stockwerke auf.
Die Erlöser-und-Verklärungs-Kirche diente auch
als Grabstätte der Familie Monomach. Hier wurden Monomachs Kinder
Euphimia (1138) und Großfürst Jury Dolgorukyi (1157), sein Enkelsohn
Gilb (1172) begraben. Seit 1947 steht hier zu Ehren der Achthundertjahrfeier
Moskaus ein symbolischer Steinsarg von Jury Dolgorukyi. Die Erlöserkirche
zu Berestowe gehört zum Kiewo-Petscherskyi Denkmaischutzgebiet.
Am Sonntag, wie früher, wird hier Gottesdienst abgehalten.
Michaels-Goldkuppel-Kloster zusammen mit den
Hagia Sophia bilden ein einmaliges Bild vom historischen Teil der
Altstadt. Die Fläche, die das Kloster heute umfaßt, wurde schon
seit Mitte des 11. jh. als Lehnkloster der Fürstenfamilie Isjaslavitschi
bekannt. Fürst Isjaslav Dimitri, der Sohn des Großfürsten Jaroslav
dem Weisen, hat 1062 St. Dimitrikloster mit gleichnamiger Kirche
zu Ehren seiner Himmelgönner Dimitri von Saloniki gebaut.
Zwischen 1108/13 errichtete Fürst Sviatopolk Michail
nicht weit von St. Dimitrikloster eine neue Kirche namens Erzengel
Michael, die wurde als Golddach-Kirche benannt und entwickelte sich
später zum Zentrum des gleichnamigen Klosters. Wie alle andere altrussische
Kirchen wurde es mit Fresken und Mosaiken reizvoll geschmückt, hat
einen Boden aus der eingelegten Keramik und Schiefhalten. Während
der Mongoleninvasion wurden alle Gebäude, ausgenommen der Michaelskathedrale,
zerstört. Später wurde das Michaelskloster wiederaufgebaut. Besonders
wichtig war die Rolle des Klosters im 17. Jh. , weil die Sophienkathedrale
zur Uniaren übergeben wurde und das Kloster wurde als orthodoxer
Metropolitensitz benutzt. Damals war es eines von den mächtigsten
Kiewer Klostern. Im 17. und 18. Jh. wurden hier große Bauarbeiten
durchgeführt, das Kloster selbst erweitert und rekonstruiert und
auf diese Weise entstand ein baukunstlerisches Ensemble im Stil
des ukrainischen Barocks. So wurden ein Refektorium mit der Johann-den-Teologie-Kirche,
dem Glockenturm, den Mauern, dem Wirtschafstor usw. errichtet. Mitte
der Kirche entstand eine reizvolle Ikonostase, ein Geschenk von
Hetman Skoropadskyi. Das Michaelskloster diente auch als Grabstätte
einiger Kiewer Fürsten, der Metropoliten Iov Boretzkyi und lsaia
Kopynskyi, der Vertreter der Obergeistlichkeit und anderen bekannten
Personen. Im 19. und bis Anfang des 20. Jh. wurden hier auch andere
Neubauten errichtet. Michaels-Goldkuppel-Kloster entwickelte sich
nicht nur als die wichtigste von allen orthodoxen Heiligkeiten,
viel wichtiger war, daß es nach dem Kiewer Schutzpatron benannt
ist.
1934 begannen die Bauarbeiten an dem Regierungszentrum
auf der oberen Terrasse des Volodymyrhügels, dessen Baukomplex wie
geplant sich zum Sophiaplatz richten sollte, (damals nur die Hauptgebäude
des ZK KP (b) U vollbebaut wurden) und einige einmalige altrussische
Baudenkmäler wurden demontiert.
Ein Teil der Fresken und Mosaiken hat man zum
Denkmalschutzgebiet «Sofia Kiewska» in Verwahrung gegeben und noch
ein Teil später den Museen von Moskau und Leningrad übergeben. 1936
wurde die Kathedrale zusammen mit dem Glockenturm aus dem 18. Jh.
und einigen anderen Gebäuden in die Luft gesprengt. 1997 bis 2000
wurde der Klosterkomplex wiederhergestellt. Das Klosterensemble
umfaßt z.Z. restaurierte Michaels-Goldkuppel-Kathedrale
mit Glockenturm, die Refektoriumgebäude mit der Johann-den-Theologie-Kirche,
die 1713/15 im Stil des ukrainischen Barocks errichtet und im 19.
Jh. bemalt wurde, drei Mönchzellengebäude (aus dem 19. bis
Anfang des 20. Jh.), Wirtskeller (Anfang des 18. Jh.), die
Hotels vom Ende des 19. bis Anfang des 20. Jh. usw. Das Glockenturm
erhielt neue Glocken mit Computeruhr, die alle 15 Minuten eine ukrainische
Volksmelodie (insgesamt 23) spielt. Derzeit wird an der Wiederherstellung
der Innenausstattung der Kathedrale und des Clockenturms nach einem
Entwurf von Tozkyi gearbeitet. Einzigartig ist die gestellte Aufgabe
von Wiederherstellung von Fresken und Mosaiken aus dem 12. Jh.,
das sind 150 Darstellungen des Mittelraums, Wandmalerei und Ikonostase
aus dem 17. und 18. Jh. Bei dem Kloster sollte ein Museum entstehen,
wo die Besucher verschiedene Kunstwerke, die früher dem Kloster
gehörten, besichtigen können.
Europaischer Barockstil im Kiewer Kirchenbau
ist von der Andreaskirche
(Andnivska Tzerkwa), die von Rastrelli gebaut und dem Apostel
Andreas Perwoswannyi geweiht, repräsentiert. Die märchenhafte Silhouette
steht auf einem Berg in Kiew, hoch über dem Podil und Dnipro-Ufer.
Die Kirche wurde 1747/62 nach Gebot der Kaiserin Jelisaveta gebaut,
deren Monogramm die vergoldeten Giebelkartuschen schmückt. Die Kirche
wurde in einem einheitlichen Ganzen mit dem Zarenpalast in Lypky
errichtet. Der Schöpfer beider Entwurfe, Rastrelli, besuchte einige
Male Kiew, um die Bauarbeiten zu kontrollieren. Bauleiter war der
Moskauer Bauingenieur Mitschurin. Das Projekt selbst wurde aber
nicht völlig verwirklicht. Es erfolgte erst während der Restaurierungsarbeiten
in den Jahren 1974/87 nach Zeichnungen Rastrellis, die in der Wiener
«Albertina» entdeckt wurden.
Die Kirche stellt ein lateinisch schräges Andreas-Kreuz
dar, dessen Fassaden und Vorsprünge mit Pilastern und Säulen, zierlichen
Linien geschwungener Kuppeln, Giebel und Kartuschen, Girlanden und
Verdachungen geschmückt sind. Die vier auserlesenen kleinen Kuppeln
lassen die Hauptkuppel (in Durchmesser ca. 10 m) nicht so massiv
erscheinen. Die Ausdruckskraft des Gebäudes (die Gesamthöhe beträgt
60 m) wird durch einen Unterbau, Stylobaten (die Hohe beträgt 15m)
betont, die durch die Gemächer des Pfarrers gebildet wird. Die Kirche
ist von einer Terrasse mit Balustrade umgeben. Eine majestätische
Gußeisentreppe führt hinauf zum Kircheneingang.
Die nach Zeichnungen von Rastrelli geschaffene
palastähnliche Innenausstattung entspricht völlig der Stilistik
der barocken Außenansicht. Der Stuckdekor, die hochrote gebogene
Ikonostase voll Voluten und Kartuschen, die Predigerkanzel mit Engeln,
die prächtige Maierei des Kuppelgewölbes und der Wände versetzen
den Besucher in eine festliche Stimmung. Die künstlerische Gestaltung
wurde von Moskauer, Petersburger und ukrainischen Meistern und Malern
ausgeführt.
Heute ist die Andreaskirche ein Bestandteil des
Nationalen Denkmalschutzgebiets Hagia Sophia von Kiew. Im Erdgeschoß
hat die Geistliche Akademie und das Seminar Ukrainischer orthodoxer
Kirche ihren Sitz.
Die Volodymyrkathedrale,
die Hauptkirche des Kiewer Patriarchats, befindet sich am Taras-Schewtschenko-Boulevard.
Die Kathedrale ist dem Taufer der Rus, dem Kiewer Großfürsten Volodymyr
geweiht, der wegen dieser Tat heiliggesprochen wurde. Ihr Bau entstand
auf Kosten der gespendeten Mitteln und dauerte 20 Jahre. An ihrem
Entwurf wirkten die Architekten Beretti, Bernhard, Sparro, Strom,
Nikolaiev mit. Der Bau der Kathedrale wurde 1882 unter den Leitung
von Nikolaiev fertig, aber ihre feierliche Weihe vollzog sich erst
im August 1896, nach der Fertigstellung der Maiereien. In Formen
des russisch-bysantischen Baustils errichtet, gilt die Kathedrale
als Baudenkmal, das die altrussische Epoche und Volkstraditionen
rühmt. Die Kathedrale stellt eine traditionelle altrussische Kirche
mit sechs Stützpfeilern und drei Apsiden dar, gekrönt von sieben
Kuppeln. Die Höhe bis zum Kreuz der Hauptkuppel beträgt 49 m. An
der Tür sind Bronzefiguren der Fürstin Olga (der Bildhauer Bach)
und des Fürsten Volodymyr (der Bildhauer Saleman) dargestellt.
An der Innenausstattung arbeiteten die bekannten
Maler unter Leitung von Professor Prachov, Wassnetzov, Wrubel, Samyrailo,
Kostenko, Kotarbynskyi, Nesterov, Svedomskyi, Pymonenko. Die emotionelle
Kraft, kräftige Farben kennzeichnen die Werke von Wassnetzov, der
insgesamt 3000 Quadratmeter der Wände und das Mittelschiff der Kathedrale
bemalt hat. Das monumentale (10,5 m hoch) Altarbild des Gottesmutter
ist der kreative Schwerpunkt des gesamten künstlerischen Ensembles
der Kathedrale. Ihr bleiches Antlitz mit großen traurigen Augen
ist von der Liebe erfüllt, sie kennt das zukünftige Leid und den
Kreuztod ihres Kindes. Von großem Interesse sind auch historische
Kompositionen vom selben Meister «Die Taufe von Volodymyr» und «Die
Taufe der Kiewer Bürger».
Kyiv war immer als multinationale Stadt bekannt
und es ist kein Wunder, daß andere, nicht orthodoxe Konfessionen,
eigene Kirche für sich selbst errichteten. Die in Formen mittelalterlicher
Gotik gehaltene Kirche stellt ein unerwartetes und für die Kyiver
Architektur äußerst eigenartiges Gebaude dar. Das ist die Römisch-Katholische
Nikolaikirche, errichtet in den Jahren 1899 bis 1909 nach
einem Entwurf von Wolowskyi (der Architekt Gorodetzkyi), der den
Entwurf umarbeitete und den Bau leitete. Am Entwurf der komplizierten
Fundament-konstruktionen wirkten der Architekt Nikolaiev, die Ingenieure
Kobeliev und Strauß (Pfahlerfinder) mit. Neue moderne Baustoffe
fanden auf dem Bauplatz breite Verwendung: Kunstgranit, steinharter
Stuck, Stahlbeton, keramische Fliesen. Die Bildhauerarbeit stammte
aus der Werkstatt des italienischen Meisters Sala, der viele Gebäude
von Gorodetzkyi in Kyiv künstlerisch ausgestattet hat. Die Kirche
selbst ist 62 m hoch. Von einem dreieckigen stufenförmigen Maßwerkgiebel
und Spitzbogentürmen mit oktaedrischen in Grundriß pyramidenförmigen
Abschlüssen gekrönt, ist sie üppig mit plastischen Schmuckformen
(Blättern, Krabben, Kreuzblütern), Farbfliesen, hohen Buntglasfenstern
verziert. Die Innen- und Außenausstattung stellt ein einheitliches
Ganzes dar.
In den 30er Jahren d. Jh. wurden in der Kirche
keine Gottesdienste abgehalten. Während des zweiten Weltkrieges
wurde sie erheblich beschädigt. Nach der letzten Restaurierung 1979/80
erhielt sie ihr ursprüngliches Aussehen. Seit 1979 diente die Kirche
als Haus für Orgel- und Kammermusik, und seit einiger Zeit finden
hier auch Gottesdienste statt.
Die alten Kirchen schmucken Kyiv. Sie stammen
aus verschiedenen Epochen und von verschiedenen Baumeistern, aber
alle zusammen repräsentieren sie gut die Kunst und Kunstneigungen
dieser Zeit. Vor kurzem entstand am Kontrakt-Platz (ursprünglich
Torg-Platz, altrussisch Torshystsche) eine neue Kirche, die nach
altrussischen Mustern gebaut und Mariä-Himmelfahrts-Kirche
(Pyrogostscha) benannt wurde. Die altrussische Chronik bestätigt,
daß die Kirche von Fürst Mstysiav (der Sohn von Volodymyr Monomach)
1131 gegründet wurde und die Bauarbeiten bis 1136 dauerten. Die
heutige anerkannten Version erklärt «Pyrogostscha» vom Ikonenbild
abstammende Kirche, da die Türme (griech. pyrgos) des Viachernaklosters
in Konstantinopel dargestellt wurden. Nach der Mongoleninvasion
wurde sie als Kathedrale, wo sich die Stadturkundensammlung befand,
die Stadtfeste gefeiert wurden sowie als Ehrenfriedhof bekant, wo
viele bekannte Persönlichkeiten (z. B. der Architekt Grygorovitsch-Barskyi)
bestattet sind.
Die Kirchengebäude wurden oft umgebaut und 1935
zerstört. Aber Ende 1980 entstand eine öffentliche Initiative für
den Wiederaufbau des altrussischen Heiligtums. So hat man einen
offenen Entwurfswettbewerb organisiert und 1991/98 wurde sie nach
einem Entwurf im altrussischen Stil aus dem 12. Jh. als einkupplige
kleine Kirche errichtet, die heute als sehr erfolgreiches Beispiel
des Wiederaufbaus altrussischer Bauwerke zu schätzen ist.
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