| Die Quellen der ukrainischen Ton- und Theaterkunst
gehen auf die Kunst der Kyiver Rus zurück. Davon zeugt z. B. die
Freske aus dem 11. Jh. in der Sophienkathedrale. «Die Musikanten»
mit Darstellungen der musizierenden Männer mit verschiedenen Musikinstrumenten:
der Orgel, Pauke und Trompete usw. Die Darstellung eines Guslispielers
findet man an Armbändern aus dem 12 Jh. Gut bekannt ist das Schuldrama
aus dem 17. bis 18. Jh., das von Schülern der Schulen des Epiphanias-Mönchklosters,
der Lawra sowie der Kyiver Mogyla-Akademie gespielt wurde. Zu Ende
des 18. Jh. wurden Theaterstücke in einem der Flügel des Marienpalastes
gespielt. Auch andere Gebäude dienten als Theaterbühnen, darunter
das Kontrakthaus in Podil. Seit dieser Zeit und im Laufe des 18.
und 19. Jh. zeigten zahlreiche berufsmäßige Theatertruppen aus Rußland,
Polen, Italien ein auserlesenes Programm vor dem Kyiver Publikum.
Im 19. Jh. entstand das berufsmäßige ukrainische Theater.
Zu Beginn des 19. jh. wurde am Chrestschatyk
das Gebäude des ersten Stadttheaters gebaut, und nach seiner Zerstörung
1856 das neue Stadttheater errichtet. Es befand sich an der Stelle
des heutigen Gebäudes der Ukrainischen
Nationaloper «Taras Schewtschenko». Damals wurden auf seiner
Bühne sowohl dramatische Werke als auch Ballette und Opern aufgeführt.
Das Gebäude der heutigen Nationaloper im Stil der Neorenaissance
wurde in den Jahren 1897 bis 1901 von Nikolaiev nach dem Entwurf
vom Architekten Schröder an Stelle des 1896 niedergebrannten Gebäudes
errichtet. An seiner Ausstattung wirkte der Bildhauer Sala mit.
Mit der Aufführung der Oper «Ivan Sussanin» von Glinka am 15. September
1901 begann das neue Leben des Theaters.
In den 80er Jahren d. Jh. wurde das Theater gründlich renoviert,
restauriert und nachgebaut, wobei der Bühnenkasten um 5 m höher
wurde und ein neues dreigeschoßiges Dienstgebäude entstand. Die
Veränderungen, die der modernen technischen Entscheidung nachfolgten,
beeinträchtigen keinesfalls das baukunstlensche Bild des Gebäudes.
Im Theater formieren sich viele Generationen weltberühmter Darsteller
der Opern- und Balettpartien, Musiker, Choreographen, Maler. In
den Annalen seiner Geschichte stehen die Namen berühmter Koryphäen
der ukrainischen Kunst wie Woronetz-Montvid, Gaidai, Gmyria, Gryschko,
Guliaev, Donetz, Donetz-Tesseir, Kamionskyi, Lytvynenko-Wohlgemuth,
Mykyscha, Nishynska, Patorshynskyi, Petrusenko, Solovianenko u.
a. Hier traten Barsova, Battistini, Koslovskyi, Lemeschev, Neshdanova,
Ruffo, Sobinov, Schaliapin auf, tanzten Karsavina und Kschessynska,
ausländische Künstler aus vielen Ländern der Welt zeigten in diesem
Theater ihr Programm. Gut bekannt sind die Namen der berühmten gegenwärtigen
Solisten der Oper und des Balletts: Basystluk, Gnatluk, Kalynovska,
Miroschnitschenko, Mokrenko, Potapova, Stefiuk, Tzypola. Im Mittelpunkt
der Arbeit des Theaters stand das klassische Erbe, darunter auch
ukrainische Klassik, davon zeugen zahllose glanzvolle Inszenierungen.
Die Tätigkeit des Gründers ukrainischer Klassikmusik
Lyssenko war eine Epoche in der Geschichte des ukrainischen Theaters.
Er trat hier mit Konzerten auf, und seine Opern «Die Weihnacht»,
«Die Ertrunkene», «Natalka Poltavka», «Taras Bulba», «Enaeide» stehen
immer auf dem Repertoire des Nationaltheaters. 1965 am Theaterplatz
wurde ein Lyssenko-Denkmal (von Kovaliov, nach dem Entwurf vom Gnesdilov)
aufgestellt.
Das
Akademie-Nationaltheater «Ivan Franko» entstand 1920 in
Winnitza auf der Grundlage des Neuer Lviver Theaters und des berühmten
«Jungen Theaters» («Molodyi Teatr») von Kurbas. Seit 1926 spielt
das Theater im einstigen Solovtzov-Theater, der berühmtesten Theatertruppe
an der Wende des 19. und 20. jh., für die dieses Gebäude 1898 im
Stil des Eklektismus speziell errichtet wurde (die Architekten Schleifer
und Bradtmann). 1959/60 wurde hier noch ein Stock zusätzlich gebaut.
Die Interieure des Zuschauerraums, der Treppen und des Foyers sind
üppig mit Stückschmuck und architektonischen Elementen im Stil des
Barocks und Rokokos (nach Skizzen von Gorodetzkyi) dekoriert.
Entstanden in der Zeit des Bürgerkrieges, hat
das Theater einen komplizierten schöpferischen Weg zurückgelegt.
Heute entwickelte es sich zu einem führenden künstlerischen Kollektiv
der Ukraine. Ohne dies ist die ukrainische Kultur unvorstellbar.
An dieses Theater knüpfen sich die Namen solcher hervorragenden
schöpferischen Meister der Bühne wie Butschma, Gaschynskyi, Dalskyi,
Kruscheinytzkyi und viele andere. Sie sind Nachfolger der Traditionen
der Koryphäen des ukrainischen realistischen Theaters vom Ende 19.
bis Anfang des 20. Jh. Bei den Aufführungen wirkten solche Bühnen-
und Kostümbildner wie Drak, Erdmann, Meller, die Komponisten Verykivskyi,
Dankevytsch, Meitus mit. Im Mittelpunkt der Arbeit des Theaters
stehen nach wie vor die Pflege des Erbes der Weltklassik, vor allem
der ukrainischen Klassik sowie der Gegenwartsdramatik. Seit 1940
ist das Drama «Das gestohlene Glück» von Franko die Visitenkarte
des Theaters. In der Grünanlage vor dem Theater-Gebäude steht ein
Denkmal von Franko (1956, Bildhauer Suprun, Bolostozkyi, der Architekt
Ivantschenko), der ein Gelehrter, Schriftsteller und Vertreter des
öffentlichen Lebens war, dessen Name heute das Theater trägt.
Aus dem einstigen Solovtzov-Theater entwickelte
sich seit 1926 auch das Russische
Akademie-Nationaltheater
«Lessia Ukrainka». Es ist heute in dem beträchtlich umgebauten
Gebäude des einstigen Privattheaters untergebracht, gegründet vom
Französen Bergonniere, der dieses Gebäude erbauen ließ (1875 von
Nikolaiev). Hier spielten die ukrainische Theatertruppen von Kropyvnytzkyi,
Starytzkyi, die russische Truppe von Solovtzov, das Junge Theater
und «Beresil». Die Gründer des Russisches Schauspielhauses sind
Bolduman, Dobrshanska, Draga-Sumarokova, Svetlovidov u. a. Seinen
Höhepunkt erlangte das Theater in vielen Aufführungen der Werke
von Gogol, Gorkii, Ukrainka, Puschkin, Ostrovskii, Tolstoi, Turgenev,
Tschechov sowie Gegenwartsdramatikern. Einen großen Beitrag zur
Entwicklung des Theaters hat Chochlov, der Schüler von Stanislavski
und Nemirovitsch-Dantschenko, geleistet.
Die
Nationalakademie für Musik der Ukraine «P. Tschaikowskyi»
(Konservatinum bis 1990), gegründet 1913, gilt als bedeutsames Zentrum
der Musikkultur. Seit 1956 befindet sich die Akademie im einstigen
Hotel «Kontinental», das 1895/97 nach dem Entwurf vom Architekten
Bradtmann, Gorodetzkyi und Schleifer erbaut wurde. 1955/58 bekam
das alte Gebäude noch eine Opernschule mit Konzerthalle, die mit
Säulen dekoriert wurde. Hier führt man die Konzerte der klassischen
und modernen Musik auf, die in Kyiv sehr populär sind. Da beteiligen
sich die Studenten und Lehrer der Bildungseinrichtungen, wo sich
auch Symphonie-, Kammer- und Volksmusikorchester, sowie ein Chor-
und Opernstudio mitwirken.
Die
Nationalphilharmonie der Ukraine verfügt über die besten
Konzerthallen mit ausgezeichneter Akustik. Seit 1923 steht das Gebäude
der ehem. Kommerzversammlung am Europaplatz, das 1882 von Nikolaiev
im Stil des Renaissance errichtet wurde. Hier wirken die Symphonie-
und Kammerorchester, verschiedene Musikensemble und Kunsttruppen
so z. B. «Veseli Musyky», «Dyvograi», «Ridni Naspivy», «Teren» u.
a.
Der größte in der Ukraine 1970 erbaute Nationalpalast
«Ukraina» mit seinem Zuschauerraum mit 3780 Plätzen und
seiner riesigen für 1500 Personen Bühne, bietet ein abwechslungsreiches
Programm an. Seine eigentliche Faszination verdankt es aber seiner
modernsten Ausstattung und Komfort. Im Nationalpalast finden nicht
nur Unterhaltungskonzerte statt, hier treten auch berühmte nationale
Kunstgruppen auf.
Das Theater- und Musikleben Kyivs ist überaus
bunt und reich. In Kyiv spielen auch das Operette-, Drama-und-Komodie-Jugendtheater
am linken Dnipro-Ufer, Theater in Podil (Theater na Podoli), Cafe-Theater
«Das Rad» («Koleso»), Theater «Susiria», das judische Theater «Mastlov»,
verschiedene Experimentaltruppen. Seine Verehrer hat auch das
Theater des jungen Zuschauers in Lypky sowie das Kinder-Musiktheater,
das Puppentheater und
der Nationalzirkus der Ukraine. Sehr interessantes und vielseitiges
Programm bieten auch das Internationale Kultur-und-Kunstzentrum
und das Ukrainische Haus.
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